Krisenbewältigung/Wirtschaftsweise vorsichtig optimistisch

Die Wirtschaftsweisen sehen Chancen für eine rasche Erholung der deutschen Wirtschaft nach der Coronavirus-Rezession. Der Sachverständigenrat der Bundesregierung sei “optimistischer” als andere Forschungsinstitute, dass es bei einem Wachstumseinbruch im ganzen Jahr nicht ganz so schlimm komme, “wenn wir ein V-Szenario realisieren können”, sagte der Vorsitzende Lars Feld nach einem Treffen führender Ökonomen mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Damit ist ein schneller Abfall der Wachstumskurve, gefolgt von einem schnellen Anstieg gemeint.

“Es ist völlig klar, dass es davon abhängt, wie sehr und wie stark wir diesen Shutdown beibehalten müssen”, sagte Feld. Sollte dieser fünf Wochen dauern und es drei Wochen für die Erholung brauchen, werde der Einbruch weniger als 5 Prozent betragen. Bei einem Shutdown von sieben Wochen und einer Erholungsphase von fünf Wochen läge die Schrumpfung etwa in der Größenordnung der Finanzkrise, erklärte der Ökonom.

Möglich sei auch ein U-Szenario mit einer noch längeren Talphase und einem schwächeren Wachstum auch 2021. Die ganz pessimistischen Szenarien mit Minusraten im zweistelligen Bereich – etwa ein sogenanntes L-Szenario mit einem drastischen Einbruch, gefolgt von einer lang anhaltenden Krise – schließen die Sachverständigen im Moment jedoch aus. “Wir gehen nicht davon aus, dass wir eine so schwierige Lage bekommen werden”, betonte Feld. Dafür spreche auch, dass die Wirtschaft im ersten Quartal 2020 noch gut gelaufen sei.

Der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen begrüßte zugleich das mehr als 750 Milliarden Euro schwere Maßnahmenpaket, das die Bundesregierung am Montag zur Bewältigung der Corona-Krise aufgelegt hatte. Möglicherweise müsse man aber über weitere Liquiditätshilfen “nochmal nachdenken”, sagte Feld. Die Zeit der Kontaktsperre müsse nun schnell für gesundheitspolitische Maßnahmen genutzt werden, darunter flächendeckende Testverfahren. Denn davon davon hänge letztlich ab, wie lange der Shutdown noch andauert.

Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung hatte am Montag deutlich drastischere Annahmen über die weitere volkswirtschaftliche Entwicklung veröffentlicht. Die Münchner Forscher rechnen mit Schrumpfungen zwischen 7,2 bis 20,6 Prozent und Kosten von 255 bis 729 Milliarden Euro.

MBI/DJN/gil/24.3.2020

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