7 Punkte für ein wirtschaftlich gesundes Mecklenburg-Vorpommern

Die Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern fordern von der Landesregierung ein proaktiveres Herangehen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona – Krise.

Die Situation ist für einzelne Branchen verbessert worden, für die Wirtschaft insgesamt ist dies aber immer noch nicht ausreichend. Trotz der bisherigen Ergebnisse (z.B. Hilfspakete von Bund und Land und ersten Lockerungen der Kontakteinschränkungen) ist die Lage für viele Branchen und Betriebe dramatisch. Dies gilt nicht nur für Tourismus zu Land und Wasser und Gastgewerbe, sondern beispielsweise ebenso für die Freizeitwirtschaft, das Schaustellergewerbe, viele Dienstleister im Veranstaltungs- und Eventbereich sowie auch weite Bereiche im Produzierenden Gewerbe – hier beispielsweise die Werftstandorte mit ihrem Umfeld oder die Automobilzulieferer. Diese Aufzählung ist beispielhaft und nicht abschließend. Auch diese und andere „corona-betroffene“ Betriebe brauchen eine Perspektive und einen klaren zeitlichen Fahrplan sowie weiter öffentliche Hilfen und Unterstützungen.

 

Dies nehmen die IHKs zum Anlass, die Landesregierung zu einem noch proaktiveren Vorgehen aufzufordern mit einheitlichen und klaren Festlegungen zu ermuntern.

 

Im Einzelnen fordern die IHKs:

  1. Gesundheitliche Maßnahmen sollten weiter im 14-Tagesrhythmus bewertet, die Sachlage gemonitort und Maßnahmen angepasst werden. Die Maßnahmen sollten nach Möglichkeit Planungssicherheit über 14 Tage hinausgeben und entsprechend kommuniziert werden. Die Wirtschaft (die IHKs in MV) ist vor Entscheidungen mit Auswirkungen auf die Unternehmen in die Entwicklung möglicher Handlungs-Optionen stärker einzubeziehen. Dann kann sie frühzeitig darauf reagieren, wenn Maßnahmen gelockert oder wieder verschärft werden.
  2. Zukünftige Maßnahmen sollten so gestaltet werden, dass in allen Wirtschaftsbereichen Aktivitäten zeitnah, planbar und betriebswirtschaftlich vertretbar wieder aufgenommen werden können! Ein „gesundes“ Wirtschaften ist in der Pandemie möglich. Das Arbeiten mit potentiellen Krankheitserregern ist (neben der Medizin und Pflege) bspw. in der Ernährungs- und Lebensmittelindustrie „alltäglich“. Gerade das Personal in Hotellerie und Gastronomie ist durch die besonderen hygienischen Anforderungen auf das Arbeiten unter „besonderen“ Bedingungen hin ausgebildet.

 

  1. Den unternehmensspezifischen Besonderheiten (Fläche, Branche, Kundendichte) ist dabei gebührend Rechnung zu tragen. Die Umsetzung von Maßnahmen sollte sich nicht (!) ausschließlich an Verwaltungsgrenzen ausrichten.

 

  1. Es bedarf eines abgestimmten Konzeptes (Masterplan MV tut gut – 2025), das kurz- (2022), mittel- (2025) und langfristige (2030) Maßnahmen für die Wiederbelebung bzw. auch Transformation der Wirtschaftsstrukturen umfasst. Dieser Masterplan muss ein proaktives Paket von branchen- und sektorenübergreifenden Handlungsoptionen unter verschiedenen Szenarien beinhalten (worst-, expected-, best-case).

 

  1. Einzelne Wirtschaftsbereiche werden sich nur erhalten lassen, wenn sie sich einem umfassenden Transformationsprozess unterziehen. Die Nachfrage wird sich nachhaltig qualitativ und quantitativ (z.B. in Hotellerie oder Tourismus bzw. im Reiseverkehr oder auch im Veranstaltungsgewerbe) ändern. Auch steht in anderen Bereichen ein Strukturwandel an (Schiffbau, Produktion von medizintechnischen Produkten im Inland). Die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und CO-2-Reduktion könnten durch M-V aktiv aufgegriffen werden. Die Corona-Krise kann so eine Chance sein, mit neuen Produkten und Verfahren, Änderungen in der Mobilität, der Energieerzeugung und Verwendung u.a.m. zusätzliche Wertschöpfungspotenziale im ganzen Land zu heben. Es besteht die Chance aus der Krise zu lernen. Es bedarf agiler Strukturen, die insbesondere auch durch Start-ups gelöst und umgesetzt werden können. Hier bedarf es eines Investitionsprogrammes MV 22-25-30 mit einem besonderen Schwerpunkt auf Start-ups, Agilität, Transformation und Nachhaltigkeit.

 

  1. Die IHKs vermissen innovative Ansätze, wie neues Wissen und Technologien, die in die Entwicklung neuer Strategien einbezogen werden. Insbesondere im Bereich der IT-Technologien werden hier volkswirtschaftliche Ressourcen nicht zukunftsorientiert und vollumfänglich genutzt, die unter Beachtung des Datenschutzes sinnvoll getestet und pragmatisch genutzt werden könnten.

 

  1. A und O zukünftiger Maßnahmen ist eine noch transparentere und klar aufgearbeitete sowie auch abgestimmte Informationspolitik aller Seiten, in der für Maßnahmen zeitliche Perspektiven aufgezeigt werden. Die Informationspolitik muss Bestandteil des Masterplans sein und die Ziele MV 2022, MV 2025 und MV 2030 skizzieren.

 

Die IHKs in MV bieten, stellvertretend für ihre rund 90.000 Mitgliedsbetriebe, an, sich verantwortlich an diesem Dialog branchenübergreifend zu beteiligen. Dazu bringen wir gerne unsere Perspektive ein, auch um ggf. gebotene politische Entscheidungen für die Wirtschaft nachvollziehbar zu begleiten.

 

neubrandenburg.ihk.de/PROMV/23.04.2020